Stillstand ist Rückstand – das Quality Assessment als Impulsgeber für die Interne Revision

Reform & Debatte
28. Februar 2023

Geopolitische Veränderungen, vermehrter Kosten- und Innovationsdruck oder die steigende Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten – Themen wie diese stellen auch Interne Revisionseinheiten vor immer neue Herausforderungen. Um entsprechend gewappnet zu sein, sollten die revisionseigenen Strukturen und Abläufe kontinuierlich hinterfragt und wenn nötig optimiert werden. Hierbei kann ein externes Quality Assessment wichtige Impulse geben.

Gerade in unruhigen Zeiten ist eine Interne Revision als prozessunabhängige Überwachungs- und Kontrolleinheit in den Unternehmen besonders gefragt. In dieser Rolle unterstützt sie die Geschäftsleitung und das Aufsichtsorgan und sollte daher bei allen Entwicklungen stets auf Ballhöhe agieren können. Die Durchführung eines Quality Assessments liefert dazu wertvolle Hinweise für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess und hilft, die Revisionseinheit in einem dynamischen Umfeld bedarfsorientiert und zukunftsgerichtet zu kalibrieren.

Sowohl das Deutsche Institut für Interne Revision als auch das Institut der Wirtschaftsprüfer haben mit der Veröffentlichung von Standards einen strukturierten Rahmen für Quality Assessments geschaffen. Dieser erlaubt es, eine ganzheitliche Beurteilung der Aufbau- und Ablauforganisation der Internen Revisionsfunktion vorzunehmen.

Im Kern geht es bei der Durchführung eines Quality Assessments darum, die Ordnungsmäßigkeit der eingerichteten Strukturen und Abläufe der Internen Revision unter die Lupe zu nehmen. Hierbei werden beispielsweise die Organisation, Methodik und Technologie, aber auch das Budget und die Ressourcen betrachtet. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Analyse und Beurteilung des implementierten und durchgeführten Prüfungsprozesses, von der Planung bis hin zur Berichterstattung.

Jedes Quality Assessment wird im Ergebnis mit einer Bescheinigung abgeschlossen – einer Art Qualitätssiegel über die Ausgestaltung und Arbeit der Internen Revision. Der Mehrwert aus einem Quality Assessment ergibt sich jedoch nicht ausschließlich aus dieser Bescheinigung. Vielmehr sind es die folgenden drei Aspekte, die der Internen Revision wichtige Impulse für ihre Weiterentwicklung geben können:

  • Ganzheitliche Betrachtung: Der vollumfängliche Blick auf die Interne Revisionsfunktion ermöglicht eine effektive und vollständige Beurteilung, wobei nicht nur einzelne Komponenten geprüft werden, sondern auch bestehende Zusammenhänge Berücksichtigung finden. Aufgrund der Würdigung der gesamten Aufbau- und Ablauforganisation können übergreifend konzeptionelle Schwachstellen erkannt und Verbesserungspotentiale aufgezeigt werden. Die Interne Revision wird folglich als gesamte Funktion analysiert und hat dadurch die Möglichkeit, sich als Einheit, und nicht nur in Einzelaspekten, auf ein höheres Qualitätsniveau zu heben.
  • Feedback von verschiedenen Stakeholdern: Im Rahmen des Assessments empfiehlt sich die Durchführung von strukturierten Interviews mit verschiedenen Stakeholdern der Internen Revision. Stakeholder in diesem Sinne sind nicht nur die Geschäftsleitung und das Aufsichtsorgan des Unternehmens, sondern insbesondere auch Vertreter*innen der geprüften Bereiche und auch Mitarbeiter*innen der Internen Revision. Jede dieser Gruppen hat unterschiedliche Berührungspunkte mit der Internen Revision und verfügt dadurch über spezifische Erkenntnisse, Erfahrungen und Eindrücke, welche berechtigterweise jeweils in der Gesamtbeurteilung Berücksichtigung finden sollten. Diese Rundum-Befragung ermöglicht es, „ungeschminktes“ Feedback aus verschiedenen Perspektiven zu erhalten, welches wertvolle Hinweise für die zielgerichtete Weiterentwicklung der Revisionseinheit liefern kann.
  • Benchmark Know-how: Basierend auf der Erfahrung des Quality Assessors ergibt sich der Mehrwert für die Interne Revision nicht nur aus getroffenen Feststellungen, sondern insbesondere in Form von Empfehlungen und dem Aufzeigen von Benchmark Know-how. Dadurch können konkrete Anknüpfungspunkte für die tägliche Arbeit abgeleitet werden. Beispiele hierfür sind die risikoorientierte Aufstellung eines Prüfungsuniversums, der Vergleich von Mitarbeiterkapazitäten mit Wettbewerbsunternehmen oder das Aufzeigen von Vor- und Nachteilen von am Markt eingesetzter Revisionssoftware.

Um nicht „stillzustehen“ und sich aktuellen und zukünftigen Herausforderungen angemessen stellen zu können, sollten Interne Revisionseinheiten die Möglichkeit zur Durchführung von externen Quality Assessments regelmäßig proaktiv nutzen. Auf diese Weise erfahren sie nicht nur, wo sie im Vergleich zu Benchmark-Unternehmen stehen und wie sie aus der Sicht anderer wahrgenommen werden, sondern erhalten frühzeitig Impulse, um sich strukturell weiterzuentwickeln. Darüber hinaus fördert ein externes Quality Assessment die Akzeptanz innerhalb der gesamten Organisation und qualifiziert die Interne Revision als adäquaten Sparringspartner.


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