Mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen bringt neue Aufgaben für Wirtschaftsprüfer*innen

Werte & Vision

Wenn es nach einem aktuellen Vorschlag der EU-Kommission geht, wird sich eine große Zahl von Unternehmen ab 2023 noch intensiver und strukturierter mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen.

Auch auf Wirtschaftsprüfer*innen kommen neue Aufgaben zu. Der Kommissionsvorschlag aus dem April zielt auf die Ablösung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) durch die Non-Financial Reporting Directive (NFRD). Diese legt Nachhaltigkeit als integralen Teil der Berichterstattung fest und sorgt für deren schrittweise Gleichstellung mit finanziellen Themen.

Regulatorischer Meilenstein

Der Nachhaltigkeitsbericht folgt dann als Teil der Geschäftsberichterstattung einem einheitlichen Standard und wird prüfpflichtig. Ein Umstand, der auf die Branche der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erhebliche Auswirkungen hat. Denn die neuen Regularien betreffen nicht nur fast alle in der EU ansässigen börsennotierten Unternehmen, sondern auch EU-Gesellschaften, auf die zwei der folgenden Mindestanforderungen zutreffen:

  • Bilanzsumme von 20 Mio. €
  • Nettoumsatzerlöse von 40 Mio. €
  • Durchschnittliche Mitarbeiterzahl von 250

Investor*innen treffen nachhaltige Entscheidungen

Dass auch Unternehmen, die diese Anforderungen nicht erfüllen, die Aspekte Environment, Social und Governance (ESG) in den Fokus nehmen sollten, zeigt die Studie „Nachhaltigkeit & Anlageverhalten 2021“. Mazars hat dafür Verantwortliche für Kapital- und Investitionsentscheidungen deutschlandweit befragt.

Die zentralen Ergebnisse der Studie zeigen, welche Faktoren Unternehmen und deren Beratungs- und Prüfungsgesellschaften in den Blick nehmen sollten.

Weckruf für Unternehmen

Die zunehmende Bedeutung des Themas stellt Unternehmen vor die Aufgabe, Strategien, Prozesse und Infrastrukturen so anzupassen, dass sie die Anforderungen des Marktes jetzt und in Zukunft erfüllen.

Auf den Punkt gebracht sind dabei drei Voraussetzungen entscheidend: eine strukturierte strategische Basis, solide erhobene Daten und eine professionelle Präsentation der Ergebnisse.

Strategische Grundlagen

Die Mazars-Studie zeigt, dass Investoren eine systematische Steuerung des Nachhaltigkeitskomplexes erwarten. Von den befragten Investitionsentscheider*innen legen 91 % Wert darauf, dass Unternehmen dabei ihre gesamte Wertschöpfungskette einbeziehen.

Die vorgelagerten Lieferketten zu berücksichtigen, halten 81 % für wichtig. Solche Ergebnisse zeigen, dass es mit sogenanntem „Greenwashing“ nicht getan ist. Zu einer erfolgreichen Nachhaltigkeitsstrategie gehört ein umfassender Ansatz sowie die Integration von wirtschaftlichen, umweltbezogenen und sozialen Zielen in die Unternehmensstrategie.

In Anbetracht der aus den ESG-Grundsätzen resultierenden Themenvielfalt, sollten sich Unternehmen beim Aufbau einer fundierten Nachhaltigkeitsstrategie auf die individuell bedeutsamsten und für die eigene Wertschöpfung relevantesten Ziele konzentrieren.

Hilfreich ist dabei, bereits am Anfang des Prozesses eine umfassende Richtlinie zur Einbindung von Stakeholdern zu formulieren. So lässt sich sicherstellen, dass keine Partei vergessen wird und Strategien im Rahmen einer geplanten Vorgehensweise vereinbart werden.

Solide Informationen

Wer die Nachhaltigkeitsperformance eines Unternehmens bewerten will, muss auf Unternehmensinformationen zurückgreifen. Doch Information ist hier nicht gleich Information und die Studie belegt die steigenden Qualitätsanforderungen.

So beziehen bereits mehr als drei Viertel der Anlageentscheider*innen extern geprüfte Fakten und KPIs zu den Nachhaltigkeitsstandards in ihr Vorgehen ein. Nicht alle Nachhaltigkeitsaspekte haben dabei die gleiche Bedeutung. Im Bereich Environment ist für die Befragten der Faktor Energieverbrauch am wichtigsten. Auf den Feldern Social und Governance stehen der „Arbeits- und Gesundheitsschutz“ und die „gesellschaftliche Verantwortung“ besonders im Fokus.

Um die Performance realistisch bewerten zu können, erwarten Investitionsentscheider*innen eine systematische Steuerung der Nachhaltigkeitsaktivitäten über alle Themenbereiche hinweg.

Dafür halten es 90 % der Studienteilnehmer*innen für wichtig, in der Unternehmenssteuerung ein spezielles Managementsystem für Nachhaltigkeitsthemen zu verankern. Der dafür erforderliche Aufwand macht sich daher in der Praxis für Unternehmen schnell bezahlt.

Professionelle Präsentation

Spätestens beim Erstellen des Nachhaltigkeitsreportings zeigt sich, dass ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement mit solider Datenbasis unerlässlich ist.

Mehr als 90 % der Befragten bewerten Nachhaltigkeitsberichte als wichtig und berücksichtigen sie bei Investitions- und Anlageentscheidungen. Weitere wichtige Informationsquellen sind externe ESG-Zertifizierungen (87 %), Ratings (88 %) und die Mitgliedschaft in Nachhaltigkeitsinitiativen (81 %). Auf ungeprüfte Informationen zur Nachhaltigkeitsperformance auf Unternehmenswebsites verlässt sich hingegen nur knapp ein Viertel.

Veränderte Regularien weisen den Weg

Waren Nachhaltigkeitsaktivitäten und Informationen bis vor wenigen Jahren in vielen Unternehmen kaum mehr als hübsches Beiwerk und von überschaubarerer Relevanz auf dem Kapitalmarkt, so hat sich diese Situation inzwischen grundlegend verändert.

Schon heute beziehen drei Viertel der Entscheider*innen extern geprüfte Nachhaltigkeitsinformationen in ihr Handeln ein. Der Alltag in Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften zeigt, dass Nachhaltigkeitsberichte der neue Standard sind. Kein Wunder: Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren auf globaler und gesellschaftlicher Ebene ebenso an Bedeutung gewonnen wie auf der Ebene einzelner Unternehmen, die Kapital oder neue Geschäftspartner*innen akquirieren wollen.

Dass diese Entwicklung keine flüchtige Mode, sondern unumkehrbar ist, zeigen die aktuellen regulatorischen Veränderungen. Diese beeinflussen auch unmittelbar die künftigen Aufgaben für Beratungs- und Prüfungsunternehmen bei der Mandantenbetreuung:

Zum einen werden wahrscheinlich nahezu alle Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit langfristig professionalisieren.

Zum anderen wird es für viele ganz kurzfristig konkret: Ersten Schätzungen zufolge verpflichtet die von der EU-Kommission vorgeschlagene CSRD allein in Deutschland bis zu 15.000 Unternehmen zur Integration eines prüfpflichtigen Nachhaltigkeitsberichts in ihre Lageberichterstattung.

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